Sonntag, 15. September 2019

Ausgeheuchelt! So geht es aufwärts mit der Kirche (Herder)

Warum dieses Buch? (Vorwort)

Eigentlich sollte dieses Buch anders heißen: „Luft nach oben“. Der Titel sollte Mut machend mehrdeutig sein. „Luft nach oben“ – hier geht der Blick in Richtung Himmel, zu Gott, dem geheimnisvollen Grund und Ziel allen Lebens. „Luft nach oben“ sagt aber auch, dass da noch etwas möglich ist. Es mag in der Kirche „fünf nach zwölf“ sein, aber das kann Gott nicht daran hindern, die Geschichte mit den Menschen fortzuschreiben, in und außerhalb der Kirche. Ich möchte meinen Blick „nach oben“ richten, Luft holen und dabei zeigen, dass es auch „mit der Kirche aufwärts gehen“ kann, wenn sie ihre Chancen heute wahrnimmt. Das bedeutet vor allem, dass sie den Blick auf die Menschen nicht verliert. 

Jetzt lautet der Titel: Ausgeheuchelt! Weil der Wind des Wandels weht. Es ist Druck im Kirchenkessel. Die Basis will Reformen, die Leitung spiritualisiert. Ich meine jedoch: Man darf die Kirchen- und die Glaubenskrise nicht gegeneinander ausspielen. Das wird wichtig sein für den Synodalen Weg, für die Amazonas-Synode, für die vielen Reformbewegungen und ihre hierarchiegehorsamen Alles-soll-beim-Alten-bleiben-Gegengruppen. Es hat sich ausgeheuchelt, die Kirche muss in der Realität ankommen und sich um ihrer Glaubwürdigkeit willen grundlegend erneuern. Sie muss von den modernen Demokratien lernen und synodal werden, sich auf die modernen Wissenschaften einlassen und die Erkenntnisse der Theologie endlich ernst nehmen. Das ängstliche Verharren im Klerikalismus des 19. Jahrhunderts ist mit viel Heuchelei erkauft worden. Damit muss endlich Schluss sein.

Ich ordne meine Gedanken biographisch an, weil mir in jeder Phase meines Christ- und Priesterseins Erfahrungen und Erkenntnisse geschenkt worden sind, in denen ich neue Chancen für die Kirche sehe. Dies ist also ein persönliches Buch, ein seelsorglich motiviertes Buch, dessen Gedanken durchs Leben gegangen sind. Theologie ist Biografie. Und weil es auch ein sehr kritisches und ehrliches Buch ist, mit dem ich mich kirchenpolitisch durchaus auf Glatteis begebe, stelle ich sehr bewusst meine eigene Interpretation des Glaubensbekenntnisses an den Schluss. Ich bin kritisch, aber loyal.

Priestersein ist mein Traumjob. Und noch mehr: meine Berufung! Ich habe darin mein Lebensglück gefunden. Ich möchte nichts anderes sein oder tun als das, was ich jetzt bin und tun darf. Das bedeutet: Ich begreife mich mehr als Verkünder einer Botschaft und Begleiter von Menschen denn als Vertreter einer Institution. Deshalb war ich auch von Anfang an kritisch: Allein die archaisch-magische Sakralisierung des Amtes und den daraus resultierenden klerikalen Umgang mit Macht habe ich schon immer für die Ursünde der katholischen Kirche gehalten. Wer mich kennt oder von mir gelesen hat, der weiß, dass ich diese Meinung nie verhehlt und auch offen ausgesprochen habe. Jetzt bin ich in der Mitte des Lebens; ich bin einundfünfzig Jahre alt, wurde vor etwas mehr als fünfzig Jahren getauft und bin fünfundzwanzig Jahre im Dienst als Priester. Ich habe die Erfahrung gemacht: Wer sich an Gott bindet, wird unabhängig von allem anderen. Wer sich an Jesus orientiert, gewinnt eine ganz tiefe innere Freiheit. Deshalb wage ich in diesem Buch manche Provokation, nicht um anzuklagen oder zu zerstören, sondern mitzuhelfen eine Kirche um- und aufzubauen, der ich mein Leben gewidmet habe und die ich trotz all ihrer Fehler immer noch lieben kann. Papst Franziskus lädt zu mehr Freimut ein, diese Einladung habe ich angenommen, offen und offensiv. Mancher wird beim Lesen denken: „Das mag ja alles stimmen, aber muss man das so ehrlich sagen, gerade als Mann der Kirche?“ Das habe ich mich auch gefragt, mich aber dann dafür entschieden, das Schweigen zu brechen – um Gottes und seiner Kirche willen. Manches habe ich tatsächlich sehr drastisch formuliert, aber nicht aus persönlicher Frustration oder gar Groll, sondern aus Liebe zur Kirche. Die Lage ist zu ernst für verschwurbelte Sonntagsreden, es wird Zeit für einen klaren und klärenden Blick. Ungeheuchelt!

Was ich mit diesem Buch vor allem erreichen will: Ich möchte meinen Mitchristen Mut machen, in der Kirche zu bleiben. Und ich möchte meine Kolleginnen und Kollegen in der Seelsorge dazu auffordern, der Resignation zu widerstehen und weiterhin selbstverantwortet Kirche mitzugestalten. Sie sind nicht nur die Totengräber der Volkskirche, ihre Arbeit ist mehr als Palliativpastoral. Meine Erfahrung zeigt: Die Kirche ist nach wie vor gesellschaftsrelevant, und auch die Gemeinde vor Ort ist als soziale Größe nicht ausgestorben. Die Feier der Eucharistie ist nach wie vor an vielen Orten und für viele Menschen Quelle und Gipfel ihres geistlichen Lebens. In der Katechese mag man von fortlaufendem Erfolg sprechen, denn nach der Erstkommunion oder Firmung laufen die meisten tatsächlich fort und kommen vorerst nicht wieder; ich erlebe jedoch, dass die Sehnsucht nach Gott ungebrochen ist. Und mit der Caritas kann die Kirche auch Menschen außerhalb einer Kerngemeinde erreichen. Schließlich ist da noch das weite Feld der Kasualienpastoral – Taufe, Trauung, Beerdigung: Die Sinnsuche aufzugreifen, die hier verborgen liegt, ist eine hochprofessionelle Aufgabe und wirksame Verkündigung.

Trotz all dieser Chancen und Bedeutungen muss man diagnostizieren: Die gut organisierte katholische Kirche in Deutschland ist auf dem Weg in eine gut organisierte Bedeutungslosigkeit. Die Kirche ist weltfremd geworden – und die Welt kirchenfremd. Oftmals steht die Kirche dem Evangelium geradezu im Weg. Und dabei fordert der Glaubenssinn des Volkes Gottes längst Reformen. Neue Zugangswege zum Amt, selbstverständlich auch für Frauen, sowie die Freistellung des Zölibats: Beides sind Dauerthemen und mittlerweile Ausdruck einer langen und lähmenden kollektiven Sexualneurose der katholischen Kirche mitsamt ihrer institutionellen Heuchelei. Ernstnehmen anderer Lebensmodelle und Biografien, Partizipation und Förderung des Engagements der Laien auf Augenhöhe, Ökumene und interreligiöser Dialog, die über symbolisches Händeschütteln hinausgehen: All das sind Reformen, die Kirche endlich ernsthaft angehen muss, will sie nicht in jener gut organisierten Bedeutungslosigkeit enden.

Trotz dieser Probleme und Anfragen bin und bleibe ich ein glücklicher Christ und Priester, denn ich kann voll und ganz nach meinem Gewissen handeln und im Rahmen der Kirche das sagen und tun, was ich für richtig und wichtig halte. Priestersein ist mein Traumjob, weil ich den Menschen nahe sein und alle Situationen ihres Lebens begleiten darf. Das Vertrauen, das einem dabei immer noch entgegengebracht wird, ist fantastisch, eine riesengroße Chance. Christsein ist eine Berufung, weil ich Jesus liebe und mich von ihm vorbehaltlos geliebt weiß, vor aller Leistung und nach aller Schuld. Für ihn und seine Botschaft lohnt sich jeder Einsatz, denn sie ist nach wie vor das Beste, was Gott und Welt zu bieten haben. Ich bin trotz allem im Großen und Ganzen zufrieden. Wenn ich auch meine: Die Welt braucht weniger Kirche und mehr Jesus. Gott ist größer als die Kirche, er ist längst bei den Menschen, wir müssen ihn da nicht erst hinbringen. Nicht nur die Kirche hat eine Mission, sondern Gottes Mission hat – auch – eine Kirche. 

Ich bin 1994 zum Priester geweiht worden, aber das ist mir mittlerweile gar nicht mehr so wichtig; ich begreife ich mich innerlich gar nicht so sehr als Priester in der Kirche, sondern viel eher als Christ in der Welt. Wenn ich das wirklich ernst nehme, ist alles getan, was ich tun kann. Gerne nenne ich mich selber einen Spielmann Gottes, denn da steckt Musik drin, Gottvertrauen – und eine geballte Portion Humor, die man dringend braucht, wenn man hauptberuflich bei der Kirche beschäftigt ist. Musik und Humor sind für mich Quellen für Resilienz, das heißt für die Fähigkeit, durch Krisen zu wachsen, darin Haltung zu bewahren und sogar an persönlicher Reife zu gewinnen. Ich glaube Jesus seinen Gott, und zwar dank, mit und trotz der Kirche. 

Samstag, 20. April 2019

Starke Frauen

Am Karsamstag passiert in der Kirche nichts. Keine Gottesdienste, Totenstille. Karfreitag ist eben kein Betriebsunfall, der schnell repariert werden könnte. Nein, nach dem Karfreitag ist nicht sofort Ostern. Jesus ist tot, wirklich tot. Da läuft nichts mehr, da hilft nicht einmal mehr Beten. Und deswegen wird auch nicht gebetet am Karsamstag. Christen sagen im Glaubensbekenntnis, Jesus sei „gekreuzigt, gestorben und begraben“ worden, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“. Als müsste man es gleich viermal sagen, dass Jesus wirklich tot war.

Am Karsamstag denke ich an den toten Jesus im Grab. Seine Jünger sind alle weg. Unter dem Kreuz – keiner da. Bei seinem Begräbnis – keiner da. Erst nach Ostern fangen sie wieder an, von Jesus zu reden. Schöne Freunde sind das. Wenn es wirklich ernst wird, sind sie alle weg. Erst wenn es wieder Spaß macht, sind sie plötzlich da. Und wollen gleich das Sagen haben in der Kirche ihres Gekreuzigten.

Alle? Nein, es sind nicht alle weg. Einige sind noch da. Es sind die Frauen! Als Jesus gekreuzigt wird, sind die Frauen da. Sogar „viele“, wie es im Neuen Testament heißt. Einige werden mit Namen genannt: „Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus“. Und auch beim Begräbnis sind sie da, immer noch: „Maria aus Magdala und die andere Maria“ (vgl. Mt 28). Offenbar halten Frauen mehr aus als Männer. Sie sind treuer, sie haben mehr Geduld, sie können wirklich mitleiden. 

Deshalb sind sie wohl auch die ersten Auferstehungszeugen. Wieder ist die Rede von „Maria aus Magdala und die andere Maria“. Sie sind also immer noch da. Sie haben den ganzen Karfreitag mitgelitten und den ganzen Karsamstag ausgehalten.
Maria von Magdala gilt deshalb mittlerweile als Apostelin, ganz offiziell. Gut so, das wurde auch Zeit! 

Von Maria wird erzählt, dass sie am Ostermorgen zum Grab geht. Doch das Grab ist leer. Zunächst sieht sie zwei Engel, die sie beinahe ahnungslos fragen, warum sie denn wohl weint. Maria gibt zur Antwort, dass sie ihren Herrn sucht. Dann sieht sie Jesus, aber ohne zu merken, dass er es ist. Sie hält ihn für den Gärtner. Doch als er sie anspricht, erkennt sie ihn. „Maria“, sagt er. Und sie antwortet: „Rabbuni“. Das ist einer der schönsten Dialoge in der ganzen Bibel. Und einer der kürzesten, vielleicht der kürzeste, und allein deshalb der schönste. Da ist nämlich alles drin. „Maria – Rabbuni“. Da geht es um Beziehung und Liebe. Da ist so viel Sehnsucht drin, so viel Dankbarkeit auch. Für mich bedeutet das: Was am Ende wichtig bleibt, sind nicht Haut und Knochen. Maria erkennt Jesus nicht an seiner äußeren Gestalt, sie hält ihn für den Gärtner. Haut und Knochen sind vergänglich. Maria erkennt Jesus an der Liebe, an der Beziehung. Und die hat Ewigkeitswert, die bleibt bestehen. Ich glaube, dass ich mit Leib und Seele auferstehen werde. Mein Leib ist aber nicht mein Körper, sondern Symbol meiner Geschichte. Die wird in Gott aufgehoben sein. Und meine Seele, das ist meine Identität, unverwechselbar und einmalig. Maria hat Jesus geliebt, und an dieser Liebe erkennt sie ihn mit Leib und Seele, mit Geschichte und Identität, ganz und gar.

Doch so weit sind wir noch nicht, es ist ja noch nicht Ostern, sondern Karsamstag. Da ist erst einmal nichts. Grabesruhe, Totenstille. Die gibt es in meinem Leben, wenn nichts mehr geht, wenn ich am Nullpunkt bin. Die Kirche ist gerade an einem solchen Punkt. Es ist fünf nach zwölf, und eigentlich gibt es keine Hoffnung mehr. Jetzt kann nur noch Gott selber helfen. Kirche im Karsamstag.

Ich möchte von Maria von Magdala etwas lernen. Nämlich auszuhalten, wenn es schwer wird. Mitzuleiden statt wegzulaufen. Und auch die anderen Kirchenmänner könnten etwas lernen. Nämlich mehr auf die Frauen zu hören, die nicht bloß Halleluja singen und Weihrauch schwenken, sondern treu bleiben, wenn es ernst wird. Am Karsamstag sind die Männer weg. Alle!

Wer gelernt hat, mitzuleiden und auszuhalten, darf irgendwann auch wieder Halleluja singen, meint Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster. (WDR 3+5 am 20.4.2019)

Freitag, 19. April 2019

Die beiden Schächer

Am Karfreitag denken Christen an das Leiden und Sterben Jesu. Sie hören oder lesen die Leidensgeschichte: die Verhaftung im Garten Gethsemane, das Verhör vor dem Hohen Rat, die Verurteilung. Der Spott der Soldaten, die Jesus foltern. Und dann der Kreuzweg bis nach Golgatha, wo er leidet und stirbt. 

Noch am Kreuz ist Jesus in schlechter Gesellschaft. Er muss die Welt erlösen zwischen zwei Verbrechern. Einer rechts, einer links. Seine Freunde sind fast alle weg, unter dem Kreuz stehen nur noch wenige, und rechts und links hängen Verbrecher. Gottes Sohn erlöst die Welt – völlig heruntergekommen.

Von diesen beiden Verbrechern – im Volksmund Schächer genannt – möchte ich etwas lernen. Denn sie sprechen mit Jesus. Und Jesus spricht mit ihnen. Der eine Verbrecher, der sogenannte reuige Schächer, ist ein mutiger Mann. Obwohl er wie Jesus am Kreuz hängt, steht er zu sich selbst. Er bekennt seine Schuld. Und sagt: „Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten.“ Ich finde, das ist ein großes, ein mutiges Wort! Wie viele Menschen müssten es eigentlich wiederholen. Meistens jedoch klagen sie nur und bedauern sich selbst. Der reuige Schächer macht es anders. Er sieht zurück auf sein Leben und auf seine Schuld. Er nimmt sein Leben an. Diese Selbstannahme ist die Voraussetzung für das, was jetzt kommt.

Denn in der Mitte hängt einer, den beide Schächer ja nicht kennen. Über ihm kann man lesen: „Das ist der König der Juden.“ Der so genannte böse Schächer nimmt den Spott auf. Er legt noch eins drauf und verhöhnt Jesus: „Bist du nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!“ Der andere, der reuige Schächer, denkt anders. Er sieht jetzt weiter und tiefer. An der Grenze seines Todes hat er die Kraft für eine Entscheidung. Für eine Wende im Leben, zu Guter Letzt – ein Schimmer Hoffnung. Und er spricht sein zweites, großes Wort: „Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst.“ Das ist ein Glaubensbekenntnis, wie es wahrhaftiger nicht sein kann. Der reuige Schächer sieht in Jesus den Messias der Welt und seinen persönlichen Heiland. Er hält sich an Jesus fest: „Herr, denk an mich.“ Er spricht damit die tiefste christliche Hoffnung aus: Der Mensch wird im Tod nicht vergessen, sondern fällt in Gottes Hand. Und begegnet seinem Erbarmen. 

In der Stunde des Todes gibt es keine Mächtigen und Reichen, da helfen keine Verträge und Versicherungen. Kein Geld regiert mehr die Welt, und der Kampf um Ansehen und Ehre wirkt mit einem Mal klein und dumm. In der Stunde des Todes gilt es, dieses große Wort zu sagen: „Jesus, denk an mich!“ Jesus vergibt dem reuigen Schächer: „Amen, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Gott ist größer als mein Kleinmut, Versagen und Angst. 

Und der andere Schächer, der nur Hohn und Spott kennt? Er ist zumindest konsequent. Er bleibt in seiner Verhärtung. Und schafft es nicht, über seinen Schatten zu springen. Keine neue Perspektive. Selbst der Augenblick des Todes bringt keine Lebenswende. Nach menschlichem Ermessen kann Jesus nichts mehr für ihn tun. Wie schön, dass Gott nicht auf das menschliche Ermessen schaut. Oder gar darauf angewiesen ist. Für ihn ist nichts unmöglich. Gerade für den bösen Schächer hängt Jesus am Kreuz. Gerade er soll Erlösung erfahren. Auf die erschütterndste Weise, die es gibt: In Jesus, so glaube ich, leidet Gott selbst an den Menschen, leidet an seiner Liebe zu uns. Anstatt zu strafen oder dreinzuschlagen, hält er aus, was Menschen ihm antun. Und zeigt damit, dass er uns leiden kann.

Der Mann zur Linken Jesu, der böse Schächer, wird Gottes Liebe erfahren, Gnade und Barmherzigkeit. Obwohl er selbst gar nicht mehr damit gerechnet hat. Der Mann zur Rechten Jesu, der reuige Schächer, sagt: „Jesus, denk an mich“, und erfährt Erlösung und Frieden. Ich wünsche mir, dass diese Worte nicht erst meine letzten, sondern meine ersten sind. Dass ich nicht erst in der letzten Stunde Barmherzigkeit erfahre, nicht zu Guter Letzt, sondern zuerst. Jetzt, hier und heute. 

Dass es dafür nie zu spät ist, glaubt Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster.

Donnerstag, 18. April 2019

Judas

Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht. Sondern manchmal das genaue Gegenteil davon. „Ich habe es doch nur gut gemeint“, sagen manche, wenn etwas gründlich daneben gegangen ist. Und warum? Man wollte doch nur helfen, aber im Grunde genommen hat man dem anderen etwas aufgezwungen. Gut gemeint geht schief, wenn alles nur so laufen darf, wie man selber will.

Ein Beispiel dafür ist Judas. Er ist eine der schillerndsten Gestalten in den Passionsgeschichten Jesu. Jetzt, in der Karwoche, werden diese Geschichten in allen Kirchen gelesen und gesungen. Judas ist einer der zwölf Apostel, also einer der engsten Freunde Jesu. Dennoch hat er Jesus nicht richtig verstanden. Judas will nicht einsehen, dass Jesus keine Macht will, ja dass er lieber leidet, absolut gewaltlos.

Jesus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, aber Judas denkt anders. Er will, dass Jesus sich endlich als Messias zeigt, und zwar so, wie Judas will – politisch! Kämpfen gegen die verhassten Römer. Judas fragt sich: Warum schwächelt dieser Jesus so? Gott ist doch auf seiner Seite, also kann die Sache doch nicht schief gehen. Auf diese Weise wird Judas zum Verräter. Er denkt: Wenn Jesus den Römern gegenübersteht, dann schlägt er vielleicht endlich zu. 

Noch im Abendmahlssaal ist Judas mit dabei. Vorher hat er Jesus schon verraten, für dreißig Silberlinge. Geld stinkt eben doch. Wobei gar nicht feststeht, ob es wirklich das Geld ist. Es geht Judas ja um den Kampf gegen die Römer, nicht um persönlichen Reichtum. Damit ihm beim Letzten Abendmahl der Bissen nicht im Halse stecken bleibt, verlässt er vorzeitig die Szene. Er taucht sein Brot noch in die Schüssel ein, gemeinsam mit Jesus – dann ist er weg. Die anderen Jünger merken erst auf, als Judas gegangen ist. Später, im Garten Gethsemane, verrät Judas seinen Herrn mit einem Kuss. Was für ein Zeichen! Will er Jesus damit doppelt verletzen, die Freundschaft zynisch kündigen? Ich denke, das will er gerade nicht. Ich denke vielmehr, der Kuss ist ganz wahrhaftig, so seltsam das auch klingen mag. Denn Jesus ist und bleibt sein Freund. Er soll verstehen, dass Judas für eine gute Sache kämpft. Für eine große Sache! Wenn er Jesus verrät, dann hilft er damit dem Reich Gottes auf die Sprünge. So denkt Judas, so will er es. Leider ist es falsch gedacht. Es ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Denn Jesus wendet keine Gewalt an, ganz im Gegenteil. Kein Aufstand, keine Waffen, kein Wunder – nichts! Jesus wird verhaftet, verurteilt, gekreuzigt. Und Judas merkt zu spät, wie die Sache wirklich läuft. Er merkt, wie wenig Gottvertrauen er hat, und wie töricht er in das Schicksal Jesu eingreift. Völlig verzweifelt, wirft er die dreißig Silberlinge in den Tempel und erhängt sich selbst. Nach ihm kräht kein Hahn mehr, anders als bei Petrus, der nur verleugnet, aber nicht verraten hat.

Das Böse erscheint fast immer im Gewand des Guten. Wer Böses tut, will damit ja eigentlich Gutes erreichen. Ein Diktator bildet sich ein, alle Menschen brauchen ihn und seine Ideologie, denn nur er allein hat die wahre Einsicht in das Schicksal. Schauen Sie sich um in der Welt: Welcher Politiker hält sich schon selbst für einen Schuft? Alle meinen, die Welt hätte nur auf sie gewartet. Schauen Sie sich um in den Religionen: Fundamentalisten glauben, sie erweisen der Menschheit einen heiligen Dienst, wenn sie Andersgläubige ermorden. Und manche Kirchenvertreter meinen, es diene dem Ansehen ihrer Kirche, wenn sie böse Taten vertuschen. Das Böse erscheint fast immer im Gewand des Guten. Wie bei Judas, der es ja eigentlich nur gut gemeint hat. Der gemeint hat, er wüsste es besser als Gott.

Deshalb brauche ich ein waches Gewissen. Und die Gabe der Unterscheidung. Was ist wirklich gut – nicht nur für mich, sondern auch für die anderen? Ich brauche die Einsicht: Man macht das Glück der anderen nicht ohne sie. Sonst verrät man am Ende sogar seine besten Freunde. Obwohl man es doch eigentlich nur gut gemeint hat. Machen Sie Ihr Glück niemals ohne die anderen, empfiehlt Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster. (WDR 3+5 am 18.4.2019)

Mittwoch, 17. April 2019

Freunde Jesu

Am Leidensweg Jesu stehen nicht nur die großen Gestalten der Bibel. Da gibt es nicht nur Protagonisten, sondern auch Nebenrollen. Von denen möchte ich Ihnen heute erzählen.

Besonders schön finde ich eine Szene in Bethanien, kurz vor dem Letzten Abendmahl. Eine namenlose Frau tritt an Jesus heran. Sie gießt kostbares Öl über sein Haar, ohne jeden weiteren Kommentar. Die Jünger halten das für reine Verschwendung. Man hätte das Geld den Armen geben können, sagen sie. Jesus aber weist sie zurecht: „Sie hat ein gutes Werk an mir getan“, gibt er zu bedenken. Eine Begegnung voller Symbolik. Gute Werke tun, wer möchte das nicht? Das hört sich hilfreich an. Wörtlich steht im Neuen Testament: „Sie hat ein schönes Werk an mir getan.“ Im griechischen Original heißt es: „ergon kalon“, ein schönes Werk. Jesus freut sich nicht nur am Nützlichen, sondern auch am Schönen. Es ist gut, wenn wir hilfreich sind. Davon jedoch kann die Welt nur überleben. Zum Leben brauchen wir auch das Schöne, das Symbolische, die Begegnung ohne Zweck und Ziel, aber mit Liebe. Ein schönes Werk!

Eine weitere Nebenrolle in der Passion Jesu spielt Simon von Zyrene. Er taucht erst auf, als Jesus sein Kreuz trägt. Und so plötzlich, wie er seine kleine Rolle gespielt und Jesus das Kreuz tragen geholfen hat, ist er auch schon wieder von der Bühne verschwunden. Von ihm wird berichtet, man habe ihn zufällig auf dem Weg getroffen. Bei einem anderen Evangelisten hießt es etwas genauer, er sei gerade vom Feld gekommen. Die Begegnung mit Jesus ist also zufällig. Er war kein Jünger Jesu. Es ist nicht einmal bekannt, ob er gläubig war. Er wollte nicht einmal helfen, nein, er musste dazu gezwungen werden. Es ist also nicht einmal bekannt, ob er ein guter Mensch war. Nicht einmal das! Wichtig aber ist, was dabei herauskommt. Ob einer fromm ist oder nicht, ob bewusst als Helfer oder nur zufällig. Wichtig ist, dass jemand mit anpackt, irgendwem das Leben leichter macht, die Last abnimmt. Sicher, Simon von Zyrene schreitet nicht ein, er kämpft nicht für Jesus, er kann Jesu Schicksal nicht mehr ändern. Er trägt es nur mit, mehr nicht. Aber er ist hilfreich, wenigstens das. Hilfreich sein: Ich finde, das ist eine gute Alltagsethik.

In der Passionsgeschichte Jesu gibt es noch zwei weitere Nebenrollen, die mir nahegehen. Josef aus Arimathäa und Nikodemus. Von beiden heißt es, sie seien Freunde Jesu, wenn auch nur im Geheimen. Es fehlt ihnen offenbar der Schneid zu einem echten Bekenntnis. Josef hat Angst. Und hat sich deshalb nicht öffentlich auf die Seite Jesu gestellt. Immerhin: Nachdem Jesus gekreuzigt worden ist, bittet er um dessen Leichnam, um ihn würdevoll begraben zu können. Einen letzten Dienst also will er ihm erweisen, einen Freundschaftsdienst posthum. Mehr sitzt nicht drin, aber es ist auf jeden Fall mehr als nichts. 

Und Nikodemus, der hat einen Posten beim Hohen Rat, gehört also zur religiösen Oberschicht. Ein aufgeschlossener Theologe, der gerne mit Jesus diskutiert, wenn auch nur im Schutz der Dunkelheit. Ob er wenigstens versucht hat, seinen Einfluss für ihn geltend zu machen? Ob er seine Verurteilung hätte abwenden können? 

Freunde soll man suchen, wenn man sie nicht braucht, damit man welche hat, wenn man sie braucht. Jesus hatte Anhänger und Jünger, Freunde und Fans. Einige waren das sehr offen und bewusst, andere nur im Geheimen. Ich möchte hilfreich sein wie Simon von Zyrene, wenn auch nur zufällig und nicht immer aus voller Überzeugung. Ich möchte anderen ein Freund sein wie Josef und Nikodemus, aber hoffentlich mit mehr Zivilcourage. Und ich möchte ab und zu etwas tun, das nicht nur nützlich ist, sondern schön, voller Liebe.

Seien Sie heute hilfreich. Seien Sie ein Freund, eine Freundin. Und tun Sie etwas Schönes! Das wünscht Ihnen Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster. (WDR 3+5 am 17.4.2019)

Montag, 15. April 2019

Petrus

Petrus aus Kapharnaum am See Genezareth. Verheiratet, wahrscheinlich Familienvater, von Beruf Fischer. Jesus trifft ihn beinahe zufällig, ruft ihn in seine Nachfolge, macht ihn zum Jünger. Gemeinsam mit dessen Bruder Andreas und zehn anderen Männern. 

Sofort lässt Petrus alles hinter sich liegen und folgt Jesus. Er zieht mit ihm durchs Land, hört ihm aufmerksam zu, fragt nach, diskutiert. Petrus ist schnell zu begeistern, gehört gemeinsam mit Jakobus und Johannes zu den drei wichtigsten Jüngern, die Jesus überall hin mitnimmt. Menschenfischer soll er werden. Und Jesus traut ihm allerhand zu: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“, verheißt er ihm. Als erster erkennt Petrus, dass Jesus der Messias ist, bekennt sich nicht nur vollmundig, sondern immer auch ein bisschen voreilig. Petrus schießt in manchen Momenten übers Ziel hinaus, in manchen bleibt er wohl hinter dem zurück, was Jesus in ihm gesehen hat. Ob Petrus selber wusste, was für ein lavierender Fels er war? 

Besonders nahe gehen mir die Szenen in den Passionsgeschichten. Auch hier begegne ich einem Petrus, der hin- und hergerissen ist zwischen Begeisterung und Versagen, Mut und Angst. Im Garten Gethsemane, nach dem Letzten Abendmahl, wird Petrus müde und schläft ein, seine Kollegen sind auch nicht besser. Sie lassen ihren besten Freund in seiner Angst allein, was für Versager. Doch als Jesus verhaftet wird, greift Petrus zum Schwert und schlägt dem Diener des Hohepriesters das rechte Ohr ab. Später aber, im Hof des Hohepriesters, verleugnet Petrus seinen Messias, und zwar gleich dreimal. „Auch du warst mit diesem Jesus zusammen“, behauptet jemand. Und wieder: „Der war auch mit Jesus von Nazareth!“ Und noch einmal: „Wirklich, auch du gehörst zu ihnen!“ Jedes Mal leugnet Petrus. Und verstrickt sich sogar weiter in seine Lügen, legt noch einen drauf, beginnt zu fluchen.Dann kräht der Hahn. Und Petrus denkt an das Wort Jesu: „Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Petrus geht hinaus und weint bitterlich.

„Ehe der Hahn kräht“, sagt Jesus. Ich denke da an das Sprichwort: „Nach dem kräht kein Hahn mehr.“ Damit ist nicht Petrus gemeint, sondern Judas. Der verrät Jesus, aber als er begreift, was er da angerichtet hat, tut es ihm leid und er begeht Selbstmord. Nach Judas kräht kein Hahn mehr, nach dem Verrat ist endgültig Schluss. Aber nach Petrus kräht ein Hahn, die Verleugnung ist nicht das Ende. Als später der Auferstandene seinen Jüngern erscheint, fragt er seinen Chefapostel Petrus dreimal: „Liebst du mich?“ Damit will er ihn sicher nicht beleidigen. Aber, dass Jesus den Petrus damit an das dreimalige Verleugnen erinnert, das liegt nahe. Bei Jesus ist keine Sünde zu groß, die Freundschaft mit ihm hält fast alles aus, er lässt seinen Petrus nicht fallen. 

„Der war auch mit Jesus aus Nazareth“, sagt die Magd im Hof des Hohepriesters, bevor der Hahn dem Petrus nachkräht. Ich wünsche mir, dass man das auch von mir sagen kann. Ich möchte gerne ein zuverlässiger Jünger sein, gegenwärtig und wach, aber ich bin es nicht. Denn ich bin ein Mensch mit Macken und Kanten. Mal weiß ich, was ich will, mal nicht. Mal bin ich begeistert, mal nicht. Meistens kann man sich auf mich verlassen, aber ich habe auch schon so manchen enttäuscht. Ich bin kein Heißsporn wie Petrus, aber manchmal laviere auch ich hin und her. In meiner Gemeinde fällt es mir leicht, mich zu Jesus zu bekennen, aber oft weiche ich auch aus. „Der war auch mit Jesus aus Nazareth“, das kann man getrost auf meinen Grabstein schreiben. Denn ich bin wie Petrus. Ich weiß nicht, ob ich am Ende meines Lebens mit mir selber zufrieden sein werde. Wahrscheinlich eher nicht. Aber ich hoffe, dass Gott dann mit mir zufrieden sein wird. Und alles ergänzt, was schiefgelaufen ist. Ich habe zwar nicht verraten. Aber habe ich verleugnet?

Dass eines neuen Ostermorgens wenigstens ein Hahn nach ihm kräht, hofft Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster. (WDR 3+5 am 16.4.2019)

Pontius Pilatus

In dieser Woche gehe ich mit Ihnen buchstäblich von Pontius nach Pilatus. Denn jetzt feiern Christen die Karwoche. Da geht es um das Letzte Abendmahl, das Leiden und Sterben Jesu Christi, die Passions- und Ostergeschichten. Jeden Morgen möchte ich deshalb einige Personen aus diesen Geschichten in den Blick nehmen. Heute ist Pontius Pilatus dran, der römische Statthalter. Den fand man in Israel zur Zeit Jesu nicht so toll, ganz im Gegenteil: Er war verhasst, denn er war der Vertreter des römischen Kaisers, also der Besatzungsmacht. Deshalb durfte nur er Todesurteile fällen. So wurde Pontius Pilatus zum Richter über Leben und Tod. Und so kam der verhasste römische Statthalter von damals sogar ins Glaubensbekenntnis der Christen. Doch eins nach dem anderen.

Jesus und Pilatus begegnen sich an dem Tag, nachdem Jesus gefangen genommen wird. Der Mob führt ihn zum Statthalter. Pilatus fragt nach Jesu Schuld, doch den Leuten fällt nichts ein. Sie wollen nur, dass er zum Tod verurteilt wird. Der Mob will Blut sehen, er pöbelt statt zu denken.

Pilatus spricht mit Jesus. Und fragt ihn: „Bist du der König der Juden?“ Das ist für ihn die entscheidende Frage. Denn wenn Jesus sich selbst für einen König hält, könnte er der Staatsmacht ja vielleicht doch gefährlich werden. Dann wäre seine Verurteilung tatsächlich im Sinne des Kaisers, nach Recht und Gesetz. Doch Jesus erklärt: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ Jesus spricht von einem Königtum, lateinisch „regnum“, nicht von einem Königreich, also einem „imperium“. Jesu „regnum“ aber kann dem „imperium romanum“ nun wirklich nicht gefährlich werden. Deshalb erklärt Pilatus: „Ich finde keine Schuld an ihm.“ Aber der Mob lässt nicht locker. Und so lässt Pilatus den Barabbas frei, einen Verbrecher; Jesus lässt er foltern, die Soldaten dürfen ihren Spott mit ihm treiben. 

Dann stellt er ihn vor die Leute und beteuert nochmals, dass er Jesus für unschuldig hält. Wieder spricht er mit Jesus, wieder ist er von ihm so beeindruckt, dass er ihn eigentlich freilassen möchte. Angesprochen auf seine Loyalität zum Kaiser setzt sich Pilatus auf den Richterstuhl. Wieder zögert er, wieder ergibt sich ein Dialog mit der Menge: „Euren König soll ich kreuzigen?“ Doch das Volk beteuert: „Wir haben keinen König als den Kaiser.“ Hin- und hergerissen von Loyalität und Angst, verurteilt Pilatus Jesus zum Tod am Kreuz. Er hält dem Druck der Masse nicht mehr Stand. Und tut, was er eigentlich nicht tun wollte – einen Unschuldigen verurteilen.

Nach dem Zeugnis der Bibel war Pilatus also ein ungeschickter Zauderer, dem es nicht an Einsicht und Charakter mangelte, wohl aber an Rückgrat und Zivilcourage. Tertullian, ein frühchristlicher Theologe, schrieb im zweiten Jahrhundert, Pilatus sei der Überzeugung nach Christ gewesen, da er ja eigentlich auf der Seite Jesu gestanden habe. „Gelitten unter Pontius Pilatus“ sprechen heute Christen im Glaubensbekenntnis. Und bekunden damit, dass Jesus eine historische Persönlichkeit war.

Wer war Pontius Pilatus wirklich? Ein Karrierist, der für seine gespielte Loyalität über Leichen ging? Ein Weltverbesserer, der eingeknickt ist? Nachdenklich muss er gewesen sein, immerhin. Auch heute entscheiden manche Politiker nach der Meinung von Mob und Masse, auch heute richten manche Richter nur nach Recht, nicht nach Gerechtigkeit. Auch heute verbirgt sich hinter mancher starken Autorität ein schwaches Selbstbewusstsein, in manchem aufgeblähten Ego stecken tiefe Minderwertigkeitsgefühle.

Jesus sagt zu Pilatus, er sei in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Darauf jener: „Was ist Wahrheit?“ Wissen Sie es? Wollen Sie es wissen? ... fragt Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster. (WDR 3+5 am 15.4.2019)