Mittwoch, 7. Februar 2018

Kreuzschnabel

Die Idee mit dem Kreuzschnabel ist von Manfred Siebald, einem meiner wichtigsten geistlichen Lehrer. Hier das Lied, mit dem ich mich so gut identifizieren kann:


Kreuzschnabel

Seit ein paar Stunden grüble ich jetzt schon und frage mich:
Was hat der nette Mensch gemeint, vorhin?
Ich sang und spielte einfach ein paar Lieder, bis er sich
am Hinterkopfe kratzte und am Kinn.
Dass einer ungeniert von seinem Glauben sprach,
das hatte er bisher wohl nicht gekannt.
So lachte er verlegen und hat mich danach
einen komischen Vogel genannt,
einen komischen Vogel genannt.

Für einen Adler fehlt mir jeder Funke Majestät;
für einen Spatzen bin ich viel zu brav.
Für einen Hahn beginnt mein Morgen meistens viel zu spät,
weil ich zu gut und gern und lange schlaf.
Als Möwe störte mich das viele Öl im Meer,
als Storch das lange Stehn auf einem Bein.
Für einen Kuckuck liebe ich mein Nest zu sehr –
ich werd wohl ein Kreuzschnabel sein;
ich werd wohl ein Kreuzschnabel sein.

Ein glatter halber Meter Hals fehlt mir zu einem Schwan,
und noch viel mehr fehlt mir zu einem Star.
Da wär ich sicherlich viel lieber noch ein Pelikan,
und auch als Buchfink käme ich wohl klar.
Ich hab vom Falken wenig, von der Taube viel,
und hab vom Kauz noch manches obendrein;
doch soll ich sagen, was ich bin und bleiben will,
wird es wohl ein Kreuzschnabel sein,
wird es wohl ein Kreuzschnabel sein.

Nicht der Legenden wegen, die man um den Schnabel spann,
nicht weil ich kreuz und quer gesungen hab.
Nein, einfach, weil ich nicht vom Kreuz den Schnabel halten kann
und von dem Mann, der dort sein Leben gab.
Solange Menschen ohne seine Hilfe sind
und um mich her noch nach Erlösung schrein,
sing ich davon, wie man am Kreuz von vorn beginnt –
ich werd wohl ein  Kreuzschnabel sein; 
wohl immer ein Kreuzschnabel sein.