Sonntag, 18. März 2018

Offen und ehrlich

Ehrlich währt am längsten. Na klar. Wer hätte da was dagegen? Morgenimpuls beendet, weiter mit den Nachrichten. Brauche ich nicht weiter drüber zu reden. Oder vielleicht doch?

Ein Besuch im Hospiz. Ich treffe eine todkranke Frau. Sie wird bald sterben, deshalb ist sie jetzt in einem Hospiz zu Gast. Ich finde das richtig gut, dass es so etwas gibt. Im Hospiz sind keine Patienten, sondern Gäste. Jeder weiß, dass es nur noch darum gehen kann, Schmerzen zu lindern. Und die letzten Tage und Wochen so angenehm wie möglich zu machen. Also weiß hier jeder – offen und ehrlich – worum es an so einem Ort geht: Wir sind nur Gast auf Erden.

Aber: Das mit der Ehrlichkeit war bei meinem Besuch so eine Sache. Die Verwandten waren nämlich auch da. Aber keiner hat etwas gesagt. Es war kein Gespräch, sondern nur Gerede. Man sprach über dies und das, Small-Talk wie immer, so als wenn nichts wäre. Keiner konnte aussprechen, was wirklich wichtig war: Dass die Frau nämlich bald sterben wird. Sie selber wusste es ganz genau – und die Verwandten wussten es auch.

Ich bin deshalb noch einmal hingegangen. Da konnte ich in Ruhe alles ansprechen. Und die Frau konnte alles aussprechen. Das hat ihr richtig gut getan. Und mir auch. Ich finde es immer besser, wenn man die Dinge direkt anspricht. Sicherlich braucht man dafür ein ganz großes Einfühlungsvermögen. Mit dem Holzhammer geht es jedenfalls nicht. Aber drumherum reden nützt keinem etwas.

Vielleicht sind viele überfordert, wenn es so richtig konkret wird. Persönlich und emotional. Wenn man Worte sucht und keine findet. Wenn man, weil man ja nicht einfach schweigen will, irgendeinen Blödsinn erzählt. Ich habe mir vorgenommen, sensibel zu bleiben und direkter zu werden. Und wenn ich dafür keine Worte finde, dann sage ich das einfach, dann gebe ich es zu. Ehrlich währt am längsten. Und Wahrheit macht frei.