Sonntag, 1. April 2018

Emmaus

Sitzungen kann ich nicht ausstehen. Aber leider gibt es ziemlich viele davon. Auch in meinem Beruf als Pfarrer. Manche davon sind ganz sicher nötig. In meinem Fall sind das Dienstbesprechungen, Kirchenvorstand, Pfarreirat. Das muss sein, dafür bin ich dankbar. Aber die ganzen Gremien darüber hinaus, die mag ich gar nicht. Das ist fast alles Metaebene: Kommissionen, die sich nur deshalb treffen, weil es sie gibt, und nicht, weil sie irgendeine Aufgabe hätten.

Dafür mag ich seelsorgliche Gespräche umso mehr. Wenn es um den geistlichen Weg eines Menschen geht, also um seinen Glauben, seine Zweifel, sein Suchen und Fragen. Oder wenn einer Probleme hat und einfach mal jemanden braucht, bei dem er sich aussprechen kann. Weil ich aber keine Sitzungen mag, führe ich seelsorgliche Gespräche gerne im Gehen.

Denn im Gehen schaut man in dieselbe Richtung. Man spürt, dass es buchstäblich weitergeht. Keiner kreist um sich selbst. Das Gehen befreit. Außerdem ist man dabei ja nicht allein. Regen mich Sitzungen eher auf, so regen mich Gehungen eher an. Ich fühle mich dann jedes Mal beschenkt. Durch das Vertrauen, aber auch durch den gemeinsamen Gang und die frische Luft.

Bei einer solchen Gehung haben auch zwei Jesus-Jünger erfahren, dass er lebt. Damals, vor zweitausend Jahren. In den Lesungen der Kirchen am Ostermontag geht es genau um diese Gehung. Eigentlich wollten die beiden Jünger weg von Jerusalem, bloß weg vom Ort der Kreuzigung, alles hinter sich lassen. Während sie aber nach Emmaus gehen und ihre Trauer miteinander teilen, spüren sie, dass sie nicht allein sind. Jesus geht mit, hört ihnen zu, bleibt sogar mit ihnen stehen. Und erklärt ihnen, warum alles so kommen musste. Als er dann Brot und Wein mit ihnen teilt, erkennen sie: Jesus lebt!

Die beiden Jünger mussten dafür übrigens gar nicht viel tun. Was haben sie gemacht, um Jesus erfahren zu können? Sie sind miteinander auf dem Weg und im Gespräch geblieben. Mehr nicht! Sie hatten keine Lösungen, sie haben nur ihre Trauer geteilt. Das genügt schon, um zu spüren, dass man nicht allein ist.

Die Geschichte geht mir sehr nah, schon seit vielen Jahren. Sie steht im Neuen Testament, Lukasevangelium, Kapitel 24. Unbedingt lesen! Außerdem wird sie heute im Gottesdienst verkündet. Machen Sie sich doch einfach auf den Weg, machen Sie eine Gehung, dann sitzen Sie nicht nur herum. Und sind heute nicht allein. (WDR 4 am 2.4.2018)